Dr. Maryam AGHAYAN
Robert Schuman Hospitals 5 Rue Edward Steichen, 2540 Kirchberg, Luxembourg Gesprochene Sprache(n) :Französisch
Betroffene Fachrichtungen : Gynäkologe
Von Unfruchtbarkeit spricht man, wenn nach mehreren Monaten regelmäßigen, ungeschützten Geschlechtsverkehrs keine Schwangerschaft eintritt — üblicherweise nach einem Jahr, bei Frauen über 35 bereits nach sechs Monaten. Das ist kein Versagen eines Partners: In etwa einem Drittel der Fälle liegt die Ursache beim Mann, ähnlich häufig wie bei der Frau, und bei einem nicht geringen Teil der Paare findet sich trotz gründlicher Untersuchung gar keine eindeutige Ursache. In Luxemburg ist die Frauenärztin bzw. der Frauenarzt (Gynäkologe) meist die erste Anlaufstelle, oft in Zusammenarbeit mit einem Urologen oder Andrologen für den Mann, mit Überweisung an ein spezialisiertes Kinderwunschzentrum bei Bedarf.
Die natürliche Fruchtbarkeit eines Paares hängt vor allem vom Alter der Frau ab, in geringerem Maß auch vom Alter des Mannes. Unter 35 Jahren ist es üblich, zwölf Monate regelmäßiges Versuchen abzuwarten, bevor man einen Arzt aufsucht, da die meisten Schwangerschaften in diesem Zeitraum eintreten — manchmal auch erst gegen Ende. Ab 35 Jahren verkürzt sich dieses Zeitfenster: Sechs Monate reichen bereits, um einen ersten Termin zu vereinbaren, denn jeder Monat zählt mehr. Nach 40 Jahren sollte man gar nicht erst abwarten, sondern gleich mit Kinderwunsch den Termin vereinbaren.
Es gibt auch Situationen, in denen ein früherer Arztbesuch unabhängig vom Alter sinnvoll ist: sehr unregelmäßige oder ausbleibende Regelblutungen, eine frühere Beckenoperation, Endometriose, eine Genitalinfektion, Hodenhochstand oder eine Krebsbehandlung in der Vorgeschichte. In diesen Fällen kostet ein zwölfmonatiges Zuwarten wertvolle Zeit ohne Nutzen.
Das ist der Punkt, der am häufigsten missverstanden wird: Unfruchtbarkeit ist kein „Problem der Frau", das man zuerst abklärt, während der Mann erst als Letztes untersucht wird. Die Ursachen verteilen sich in etwa gleich auf beide Partner, und die erste Abklärung untersucht von Anfang an beide parallel. Beim Mann beginnt sie meist mit einem Spermiogramm, einer einfachen Untersuchung von Anzahl, Beweglichkeit und Form der Spermien. Bei der Frau achtet die Gynäkologin oder der Gynäkologe auf Zyklus und Eisprung, die Durchgängigkeit der Eileiter und den Zustand der Gebärmutter, meist mit Blutuntersuchungen und einem Ultraschall als erste Schritte.
Wird bei einem der beiden Partner eine Auffälligkeit festgestellt, ist das kein Versagen und keine Wertung — es ist eine medizinische Information, nicht anders als ein Blutdruckwert oder ein Cholesterinspiegel. Viele Paare kommen mit einer Schuldlast zum ersten Termin, die dort nichts zu suchen hat: Die Reproduktionsmedizin ist gerade dazu da, diese Schuldfrage hinter sich zu lassen und gemeinsam nach einer Lösung zu suchen.
Diese erste Abklärung ist meist einfach und rasch durchführbar. In vielen Fällen zeigt sie eine konkrete Spur auf — eine Eisprungstörung, eine Endometriose, einen männlichen Faktor — oder, in manchen Fällen, keine feststellbare Ursache trotz unauffälliger Befunde auf beiden Seiten. Auch das kommt tatsächlich vor und schließt weitere Optionen nicht aus.
Der erste Termin findet bei einem Gynäkologen statt, der die Abklärung koordiniert und den Mann bei Bedarf an einen Urologen oder Andrologen überweist, wenn das Spermiogramm dies nahelegt. Je nach Ergebnis kann die weitere Betreuung beim behandelnden Gynäkologen bleiben oder sich an ein spezialisiertes Kinderwunschzentrum richten, in Luxemburg oder in der Großregion, für Verfahren wie Eisprungstimulation, Insemination oder In-vitro-Fertilisation. Gynäkologische und urologische Konsultationen sowie ein Teil der Untersuchungen und Behandlungen im Zusammenhang mit Unfruchtbarkeit werden von der Gesondheetskeess (CNS) im Rahmen der üblichen Erstattungsbedingungen übernommen; das Zentrum oder der Arzt klärt im Einzelfall, was genau darunterfällt. Sie können einen Gynäkologen oder Urologen finden und direkt über Doctipro einen Termin vereinbaren.
Keine Verhaltensänderung ersetzt eine ärztliche Abklärung, aber einige Faktoren wirken sich bei beiden Partnern tatsächlich auf die Fruchtbarkeit aus und lohnen sich neben der ärztlichen Betreuung: Rauchen, das die Fruchtbarkeit bei Männern wie bei Frauen verringert; übermäßiger Alkoholkonsum; ein Körpergewicht, das deutlich vom Durchschnitt abweicht, nach oben wie nach unten; und beim Mann anhaltende starke Hitzeeinwirkung im Hodenbereich. Moderate Bewegung und eine ausgewogene Ernährung sind hilfreich, ohne dass es strenger Diäten oder Schuldgefühle bedarf — Unfruchtbarkeit ist nur sehr selten die Folge eines „falschen" Lebensstils.
Eine Fruchtbarkeitsabklärung und gegebenenfalls eine anschließende Kinderwunschbehandlung brauchen Zeit und belasten den Paaralltag, emotional wie organisatorisch. Das ist normal und kein Zeichen dafür, dass in der Beziehung etwas nicht stimmt. Offen mit dem Arzt zu sprechen, auch über die psychische Belastung, gehört fest zur Betreuung dazu — viele Zentren bieten eine eigene Begleitung an. Eine ehrliche Kommunikation als Paar, ausreichend Zeit zwischen den einzelnen Schritten und das Annehmen von Unterstützung von außen helfen dabei, dass diese Wartezeit nicht alles andere überschattet.
Diese Inhalte dienen nur zur Information und ersetzen keine ärztliche Beratung. Im Zweifel wenden Sie sich an einen Arzt; im Notfall wählen Sie die 112.
Französisch
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In der Regel nach zwölf Monaten regelmäßigen, ungeschützten Geschlechtsverkehrs, wenn die Frau unter 35 ist, und bereits nach sechs Monaten, wenn sie über 35 ist. Nach 40 Jahren oder bei sehr unregelmäßigem Zyklus, einer früheren Beckenoperation oder Endometriose sollte man nicht so lange warten.
Das Alter der Frau spielt eine Rolle, weil die Eizellreserve mit der Zeit abnimmt, ist aber bei Weitem nicht der einzige Faktor. Männliche Ursachen machen einen ähnlich großen Anteil aus, und auch das Alter des Mannes wirkt sich aus, wenn auch in geringerem Maß. Die Abklärung betrifft von Anfang an beide Partner.
Sie beginnt parallel bei beiden Partnern: bei der Frau Blutuntersuchungen, Ultraschall und Zyklusbeurteilung beim Gynäkologen, beim Mann ein Spermiogramm, gegebenenfalls ergänzt durch eine urologische Einschätzung. Je nach Ergebnis geht die Betreuung beim Gynäkologen weiter oder wechselt zu einem spezialisierten Kinderwunschzentrum.
Stress allein ist so gut wie nie die Ursache für Unfruchtbarkeit, aber anhaltender, starker Stress kann bei manchen Frauen den Zyklus und den Eisprung stören und bei manchen Männern die Spermienqualität beeinflussen. Das ist ein Punkt, den man im Blick behalten sollte, kein Ersatz für eine vollständige ärztliche Abklärung.
Es ist nicht zwingend, aber empfehlenswert: Die Abklärung betrifft von Beginn an beide Partner, und ein gemeinsamer Termin verschafft dem Arzt einen vollständigen Überblick, ohne dass ein zweiter Termin nötig wird, um den Mann für die erforderlichen Untersuchungen zu überweisen.